Ahrntaler Brauchtum zur Advents- und Weihnachtszeit(Aus: Der Ahrntaler 1998. Brauchtum im Kalender)Nikolausspiele:Um Nikolaus gingen früher Spielgruppen von Wirtshaus zu Wirtshaus, seltener auch in andere Häuser, und führten in den Stuben die "Nigglasspiele" auf, eine Art satirisch- parodistisches Stegreiftheater. Die Spieler waren verkleidet und trugen "Lorfn" (Masken) vor dem Gesicht; Hauptfiguren in diesen spontanen Stücken war der "Bajazz" (eine Art Clown), die Hexe, der Teufel und "do Zilloschtolla" ( der Zillertaler). Bis zu vierzig Personen sollen an manchen Aufführungen mitgewirkt haben. Wahrscheinlich kommt das Ahrntaler "Nigglaasschpiel" aus dem benachbarten Zillertal, wo es schon im 16. Jh. erstmals erwähnt wird.
Heilig Abend:Am Morgen des Heiligen Abend wurde nicht gefrühstückt, dafür gab es das Mittagessen bereits um etwa 10 Uhr vormittags. Meistens trug man eine Erbsensuppe, verschiedene Krapfenarten, ein Mohnmus, "Maislan" und Milch auf. Kam jemand während des Mittagessens, so bedeutete dies ein großes Unglück. Man befürchtete, dass jemand aus der Familie sterben müsse. Ein Hahnenschrei während des Essens bedeutet, so sagte man, dass die Magd heiratet - deshalb versuchten verschmitzte Leute immer wieder den Hahn während des Mittagessens zum Krähen zu bringen, um die Mägde "zi tikkn" (zu necken).Am Heiligabend war bis 6 Uhr abends Fleischfaste, danach wurde meistens Fleischsuppe aufgetischt. Sich um Weihnachten zu beschenken war früher nicht üblich. Im hinteren Ahrntal pilgerten viele Familien vor der Mitternachtsmette nach Heilig Geist. Am Heilig Abend sei man drei Mal in Gefahr, so sagte man im Ahrntal: Vormittags bis 10 Uhr sei man in Gefahr "zi dohungon" (zu verhungern), abends drohe man nach dem Abbruch der Fleischfaste "zi doschneill" (zu platzen), und nachts sei man auf dem Gang zur Christmette in Gefahr "zi fokugl" (abzustürzen). Adventkranz, Christbaum und Weihnachtskrippe:Den Brauch einen Adventkranz in Privathäusern aufzustellen, kennt man im Ahrntal noch nicht sehr lange.Christbäume wurden im Ahrntal erst allmählich in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in Häusern, in denen es Kinder gab, aufgestellt; man schmückte ihn allerdings viel einfacher als heute, indem man häufig Äpfel, "Zuggolan" (Bonbons) und Kekse in die Zweige hängte. Viel länger gibt es den Brauch, eine Weihnachtskrippe aufzustellen. Besonders schöne, weitum bekannte Krippen stellte man beim "Rouda" in Steinhaus, beim "Neikkla" in Mühlegg und an der "Brente" in St. Peter auf. Geistliche besuchten diese Krippen mit ihren Schulklassen, auch ging man oft extra dorthin zum "Nojouschrain" und zum "Krippe schaugn". Rauchnächte:Ein Brauch, der teilweise heute noch gepflegt wird, ist das "Raachn"(Räuchern) am Heiligen Abend, am Silvesterabend und am Vorabend zu Dreikönig. Der Hausvater trägt eine Räucherpfanne mit Glut, in die geweihte Kräuter und (heute) einige Körner Weihrauch gestreut werden, durch das ganze Haus und in den Stall. Früher war es Brauch, Hüte und die Kopftücher über die Räucherpfanne zu halten und sie dann wieder aufzusetzen. Dies sollte Leib und Seele vor Unheil bewahren. An diesen Abenden mussten früher alle Dienstboten zuhause bleiben, sonst hätte der Bauer sie entlassen können. Während des Räucherns wird gebetet und Weihwasser gesprengt. |